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Wohnen ohne Auto in Hamburg - ein Modell für München?
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Home
Schriften
Projekt Riem
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Vortrag von Karsten Wagner und Fachgespräch 21.7.2000
Vortrag:
Regelungen in Hamburg
Standort Saarlandstraße
Werbung und Nachfrage
Grundstück, Planung, Realisation
Zeitlicher Ablauf
Gestaltung
Bewohnerbeteiligung
Organisationsform
Anhandgabe
Wohnprojekte brauchen Zeit und Spielraum
Berlin
Diskussion:
Ansichten zur Planung Theresienhöhe
Situation in der Messestadt Riem
Tiefgaragenkosten
Stellplatznachweis
Bisherige Probleme bei der Realisierung autofreier Wohnprojekte
Voraussetzungen für weitere
autofreie Wohngebiete
Kontrolle der Autofreiheit
Nachfrage für autofreie Wohnungen
Rolle von Baugruppen
Werbekampagne
Entwicklung einer Werbekampagne
Finanzierung einer Kampagne
Weitere Schritte
Arbeitskreis
Weitere Entwicklungen
Rechtliche Regelungen
Karsten Wagner ist Architekt und Projektleiter bei der Johann Daniel Lawaetz-Stiftung
Neumühlstr. 76-20
22763 Hamburg
Die J. D. Lawaetz-Stiftung ist der alternative Sanierungsträger der Hansestadt Hamburg
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Vortrag
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Ich bin Architekt und wohne in der Siedlung, die ich mir erdacht habe; allerdings habe ich nicht die Architektur, sondern die Projektentwicklung gemacht.
In Großstädten über 500.000 Einwohnern leben 37 % ohne eigenes Auto,
innerstädtisch sind es noch erheblich
mehr. So ist es uns geglückt, ein autofreies Projekt in den Kooperationsvertrog von SPD und Stadtliste hineinzubringen.
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REGELUNGEN IN HAMBURG
Das Baurecht wurde novelliert, es
wurde die Möglichkeit geschaffen, für
Wohnprojekte ohne Autos einen niedrigeren Stellplatzschlüssel anzuwenden.
Das Projekt Zeisewiesen hat teilweise
0,2 Stellplätze pro Wohneinheit. Wir
haben 0, 15, die ökologische Siedlung
Braamwisch auch 0,2. Stadthaus
Schlump hat auch einen niedrigeren
Stellplatzschlüssel.
In München wir immer gefordert, dass
noch Platz da sein muss für die Stellplatznachrüstung.
Platz für Stellplatznachrüstung müssen
wir nicht haben. Die sogenannte
Höchstbetrags-Sicherungshypothek,
die im Grundbuch eingetragen wird,
haben wir auch nicht. Allerdings haben wir einen Vertrag mit der Stadt:
wenn die Leute alle Auto fahren, muss
der Ablösebetrag für die Stellplätze
nachgezahlt werden.
In Riem ist der Platz für die Nachrüstung von Parkhäusern im Bebauungs-
plan festgeschrieben. Im Projekt
Kolumbusplatz wurde die Stellplatzab-
löse ausgesetzt, die in dem Moment
fällig wird, wenn nicht mehr 40, sondern nur mehr 39 Haushalte autofrei
sind.
Diese Stellplatzverordnungen, die ja
immer davon sprechen, dass für den
zu erwartenden und den vorhandenen
Verkehr Stellplätze hergestellt werden
müssen, sind sehr dehnbar. Die Hamburger Verwaltung hat die Weisung
erlassen, dass es Wohnprojekte mit
0,2 StellpIätzen gibt, allerdings erst ab
50 Wohneinheiten. Wer unter 50
Wohneinheiten ist, hat Pech gehabt.
Das Projekt Zeisewiesen ist relativ
groß, drei Gruppen haben davon
Gebrauch gemacht. Die ökologische
Siedlung Bromwiesch hat eine Mischreqelung bekommen. Stadthaus
ScNump ist relativ klein, die haben
einfach verhandelt. Stadthaus
Schlump ist ein Projekt für Besserverdienende; die haben mit VW einen
Vertrag: VW stellt ihnen Fahrzeuge
zur Verfügung, das sind die
Carsharing-Fahrzeuge.
Zum Bebauungsplan: das Planrecht
kann sagen, oberirdisch wird nicht
geparkt.
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STANDORT SAARLANDSTR.
Heute vor sechs Jahren habe ich eine
Befragung verschickt: auf welchen
Standort gehen wir. Wir haben festgestellt, dass autofreie Haushalte innerstädtische Wohnquartiere deutlich bevorzugen, die einen guten öffentlichen
Personennahverkehr haben.
Wir haben einen Standort ausgewählt: Saarlandstraße, zwischen 200
und 210 Wohnungen möglich, 2 U-
Bahn-Linien und eine S-Bahn-Linie, 17
Buslinien in 700 Metern Entfernung.
Ich fahre eine Viertelstunde, zwanzig
Minuten ins Stadtzentrum.
Alle alternativen Wohnprojekte wollen
in den Westen Hamburgs; der Standort Saarlandstraße ist schon östlich der
Alster, aber wir haben im Süden und
im Osten den Kanal, und den Stadtpark in fußläufiger Erreichbarkeit.
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WERBUNG UND NACHFRAGE
Wir werben nicht einfach nur für
Wohnungen, sondern wir werben mit
Menschen, die wir ablichten, oder mit
Familien, die sagen, "ich will autofrei
wohnen". Denn es ist so, dass diese
Projekte sehr viel Zeitaufwand mit sich
bringen und man jahrelang durchhalten muss. Das geht nur mit Leuten, die
auch mehr wollen als einfach nur eine
Wohnung. Das ist nicht So ohne, ein
Wohnprojekt zusammenzubringen
und das auch in eine Richtung zu bringen.
Wir haben inzwischen etwa 2400
Anfragen von interessierten Haushalten.
(in Köln hat die Stadt erhoben, die
haben über 4000 Rückmeldungen
gehabt. )
Wir haben bisher auch nie Nachfrageprobleme gehabt, 63 Wohnungen sind gebaut, 48 werden Anfang
nächsten Jahres fertiggestellt, diese
Wohnungen sind auch alle belegt.
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GRUNDSTÜCK, PLANUNG,
REALISATION
Das sind Wohnblocks, vier und
Staffelgeschoss, also fünf
Stockwerke, wobei sich das oberste
etwas abstaffelt. Diese Wohnblöcke
haben immer zwischen vier und fünf
Hauseingängen, dann gibt es hier
noch immer ein Punktgebäude, da
habe ich einen Hauseingang fürs
ganze Gebäude.
(Er zeigt eine Ansicht des
Gebäudes): ich finde, es sieht sehr
nüchtern aus. Wohngruppenprojekte
interessiert ihre Architektur nicht so
sehr, sondern mehr das Leben
innendrin.
Zwischenfrage: Am Ackermannbogen
hatten die Wohnprojekte große
Schwierigkeiten mit dem Stangenbau.
Ich finde Zeilen gar nicht so schlecht,
wenn gewährleistet ist, dass es nicht
laut wird. Bei Zeilen habe ich den
Vorteil, dass sie eine gute Belichtung
haben. Wir haben immer Probleme mit
unseren Ecken. Alle haben ein
Fenster zum Hof, nur die Ecke nicht.
Diese Bewohnerinnen sind mehr oder
minder vom sozialen Leben
ausgeschlossen. Bei einer
Zeilenaufstellung habe ich das
Problem nicht: da kann ich immer
Durchwohner machen, die sind immer
auf beiden Seiten, ich kann
gewährleisten, dass es eine gute
Durchlüftung gibt.
Hier an der Durchfahrt gibt es einzelne
Stellplätze (0,15), die dafür
vorgesehen sind, wenn jemand eine
schwere Behinderung hat, für
Carsharing, für schwere Transporte.
Wir haben kein Carsharing auf dem
Grundstück, wir haben keine
Behinderten und schwere Transporte,
na ja, da muss man eben mal vorfahren
und wieder wegfahren. Aber letztlich
brauchen wir zur Zeit keine
Stellplätze. Es gibt Carsharing in der
Nähe. Aber die haben feste Stellplätze
am Ende der Jarrestraße.
Nachteil des Standorts: die
Saarlandstraße ist relativ stark
befahren. Deswegen war es so
angedacht, dass hier ein
Gewerberiegel erstellt wird, der steht
allerdings noch immer nicht. Autofreie
Mieter, und dann gucken die auf die
Saarlandstraße! Aber die
Saarlandstraße ist ja zum Glück fast
100 m weg, es ist stark begrünt und
ich habe einen ganz weiten freien Blick.
Zwischenfrage: Ist dieses Gewerbe
auch auf dem Grundstück, das Sie
beplanen?
Nein: Da kommen sowieso nur Büros
in Frage und so stark ist der
Büromarkt nicht angestiegen, dass ich
dieses Wagnis auch noch machen
wollte. Die Stadtentwicklungsbehörde
wollte produzierendes Gewerbe im
Geschoss. Das ist aber gar nicht zu
finanzieren. Die gehen lieber auf
eingeschossige Flächen im Umland:
das ist viel günstiger und sie sparen
auch noch Gewerbesteuer.
Ich bin ganz nüchtern geworden: wir
nehmen, was passt, was keinen Lärm
macht, was sich nicht gegenseitig
beeinträchtigt. Allerdings fahren die
ohnehin von der Saarlandstraße in die
Tiefgarage, die Autos kriegen wir nicht
mit. Aber finden Sie mal einen
Gewerbemieter, zu dem die Kunden
nicht mit dem Auto kommen können.
Wir haben auch
Niedrigenergiestandard, also
kontrollierte Be- und Entlüftung, ich
muss die Fenster nachts nicht öffnen.
In den Innenhof schallt von der
Saarlandstraße nichts mehr rein.
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ZEITLICHER ABLAUF
Hier sieht man die Gewerbehalle im
Frühjahr 1998, die abgebrochen wird,
das war ein großer Schritt für uns,
endlich wird die Halle abgebrochen.
Dann Grundsteinlegung, und hier
haben wir eine Alsterdampferfahrt
gemacht. Wir dachten, wir laden
alle, die daran beteiligt waren, zu
einer Alsterdampferschifffahrt ein.
Ein Transparent haben wir an den
Dampfer gehängt: Autofrei wohnen,
Nerven schonen! Wir mussten uns das
Grundstück von der Stadtverwaltung
schon ziemlich massiv erkämpfen.
Dann war es für mich aber auch
wichtig, dass man denen noch mal
schreibt: alle, die jetzt zum Gelingen
beigetragen haben, laden wir jetzt
noch mal ein.
Ich habe nun mal die
Liegenschaftsverwaltung, die hat den
Auftrag, anständig Geld rauszuholen,
jeder hat seine Aufgaben in der Stadt.
Ein Liegenschaftsbeamter sagt immer:
"Sie mit Ihren blöden sozialen
Projekten, bleiben Sie mir vom Leib,
Sie senken meine Preise". Dann sage
ich zu dem: "Meine Aufgabe ist nun
mal entgegengesetzt, darum nehmen
Sie mir das nicht krumm, ich versuche
alles, Sie zu übergehen." Und die
verstehen mich dann auch.
1934 Metallfabrik, 1970 noch
Stadtautobahn, 1997 Parkplatz und
jetzt autofreies Wohnen. Wir hatten 16
Monate reine Bauzeit.
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GESTALTUNG
Wir haben unseren
Gemeinschaftsraum - da toben die
Kinder. Die Fragen, die die Gemüter
jetzt bewegen: die Wippe; die
Grünraumgestaltung. Die
Erdgeschosswohnungen: hier wohnen
Familien mit Kindern, die können
raus, und gleich hier in den Hof, wo
sie dann spielen können; die anderen
Kinder, die müssen ja immer erst die
Treppenhäuser runter.
Wir haben das Gebäude einen Meter
rausgehoben. Wir haben überlegt, wie
kann man gut die Fahrräder
unterbringen, sodass ich mir gar nicht
wie im Keller vorkomme. Sobald ich
aus der Kellertüre komme, kann ich
schon übers Gelände gucken. Die
Rampen haben dreizehn Prozent
Steigung, da kann ich bequem mein
Rad hochschieben, mit meinem
Haustürschlüssel öffnet sich
elektronisch die Tür.
Die vier Treppenhäuser führen alle
hoch auf's Dach, und auf dem Dach ist
ein Staffel-Umgang, so dass alle Leute
im Haus sich auch im Haus besuchen
können.
Das sind die schönsten Wohnungen.
Ich habe oben eine große
Dachterrasse; die Wohnungen sind
auch immer mit dem Fahrstuhl zu
erreichen, und da hatte niemand
bisher ernsthaft Probleme mit dem
Fußgängerverkehr.
Dann haben wir auf dem Dach eine
Photovoltaikanlage, auch ein
Blockheizkraftwerk im Keller, eine
Regenwassernutzungsanlage. Wenn
man nicht die Ausgaben fürs Auto hat,
dann ist ja auch immer in bisschen
Geld übrig. Und das, was die Leute
nicht in ihre Autos gesteckt haben,
haben die jetzt in ihre Küchen und
die Fußböden gesteckt.
Man muss sich aber immer
anschauen, was kann ich mir
überhaupt leisten. Kann ich mir eine
Solaranlage leisten, das konnten wir
eigentlich nicht, aber wir haben
jemanden gefunden, der wollte
unbedingt unser Dach für seine
Solaranlage haben.
Für ein Blockheizkraftwerk muss man
eine Betreibergemeinschaft bilden,
das ist ein irrsinniger Aufwand, aber
da sind einige, die wollen das gerne.
Wir haben unseren eigenen Strom im
Keller. Ist aber nichts, was unbedingt
die Kosten mindert.
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BEWOHNERBETEILIGUNG
Ich hatte im letzten Jahr das erste Mal
sechs Jahren Donnerstag frei,
Donnerstag waren immer unsere
Treffen.
Planrechtliche Dinge beschäftigen uns
schon lange nicht mehr.
Damals gab es die Diskussion mit den
Leuten, die drum herum wohnen und
die ja dann immer sagen, "Ihr parkt
uns ja alles zu, wenn ihr eure autofreie
Siedlung habt, weil ihr ja doch
schummelt." Damit mussten wir uns
vor fünf Jahren beschäftigen.
Jetzt geht es um Hausreinigung oder
um einen Einbruch.
Wir haben unten einen
Gemeinschaftsraum, den alle drei
Rechtsformen gemeinsam für
Veranstaltungen benutzen. Autofahrer
kaufen sich ihren Mercedes und
Wohnprojekte schmücken sich damit,
besonders sozial zu sein.
Autofrei kann ein Motto sein, aber was
die Gruppe wirklich zusammenhält,
das ist die Nachbarschaft.
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ORGANISATIONSFORM
Wir sind in folgenden Rechtsformen
organisiert:
eine Wohnungseigentümergemeinschaft mit 18 Wohneinheiten,
eine Genossenschaft mit 31 Wohnungen, einen sozialen Träger Leben mit
Behinderung", mit 14 Wohnungen.
Das sind Mehrfachbehinderte, die
allesamt nicht autofahren dürfen. - Da
ist ja immer die Diskussion, ihr müsst
Stellplätze vorsehen für eventuelle
Behinderte. Aber die meisten
Behinderten können überhaupt kein
Auto fahren. Vor allem, Behinderte
haben überhaupt nicht das Geld, sich
ein Auto zu kaufen, denn wenn sie
wirklich in Pflege sind, dann bleibt
nichts übrig.
Wir wollten gerne in einem Haus ein
soziales Projekt unterbringen. Wir
dachten auch an unbegleitete
Jugendliche oder ein Jugendwohnprojekt; da kam dann aber der Einwand, die
fahren doch immer Mofa und knattern
dann mit ihren Dingern ums Haus.
Hier oben ist noch ein Gebäude, das
baut die GWG, ein städtischer
Wohnungsbauträger. Das sind
Wohnungen, die werden einfach
nur vermietet. Man kann überlegen,
kann ich das mit einem klassischen
Wohnungsbauunternehmen machen,
oder muss ich es immer
selbstorganisiert machen. Ich bin
immer der Auffassung, dass da
grundsätzlich eine Gruppe in
Selbstorganisation rangehen muss,
und dass man sich den Träger dazu
suchen muss und genau gucken muss,
passt der nun wirklich. Und dass so
ein Großunternehmen wie die GWG
mit 40.000 Wohnungen viel zu
unflexibel ist, um so ei n
Sonderprojekt zu machen. Das
Problem haben wir hier schon, aber
nichtsdestotrotz finde ich das sehr
gut, dass die dabei sind.
Diese Eigentümergemeinschaft, da
war die Überlegung, kann das
überhaupt funktionieren im
mehrgeschossigen Wohnungsbau.
Bei der GWG habe ich das Risiko
nicht so sehr gesehen, Leben mit
Behinderung, die haben ja sowieso ein
Sahnestück, direkt am Kanal, und die
Genossenschaft, dachte ich, die kriegt
das schon irgendwie hin. Die kann
auch immer viel auffangen.
Es hat sich dann aber herausgestellt
dass die Wohnungseigentümer
überhaupt gar kein Problem dargestellt
haben, die sind sehr mobil, die kümmern sich, die bilden, sofort Gruppen,
wollen auch gar nicht mehr, dass
jemand wie ich das alles lenkt,
sondern wollen das alles gleich selbst
in die Hand nehmen, und sind aktiver
als die Genossen.
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ANHANDGABE
In Hamburg werden Grundstücke
anhand gegeben. Die Stadt sichert mir
zu, wenn ich alles, was während der
Anhandgabe vereinbart wurde,
einhalte, das Grundstück auch kaufen
kann.
Wohnprojekte sind darauf
angewiesen, dass sie sich finden,
dass sie Zeit haben, sich zu einem
Wohnprojekt zu bilden, dass
Vertrauen geschaffen wird, zuerst in
die Mitbewohner, dann aber natürlich
auch in die Baubetreuer, in die
Architekten, in alle Beteiligten. Eine
Gruppe von lauter Leuten, die sich
noch überhaupt nicht kennen, und die
sollen da eich unglaublich viel Geld
reingeben, das funktioniert ja nicht.
Es sei denn, das
ist was sehr Etabliertes, oder eine
sehr
etablierte Wohnungseigentümergemeinschaft, beispielsweise, die weiter baut. Aber es war auch noch eine
neue Wohnungseigentümergemeinschaft und eine
Genossenschaftsneugründung. Ich
habe natürlich den Zinsvorteil, je später ich es kaufe, bei einem vereinbarten Preis, desto besser für mich. Mir
wurde gesagt, das gäbe es in München nicht, diese Anhandgabe.
Es ist hier auch so, dass man nicht
sofort kaufen muss. Wir haben das
Grundstück in Riem auch noch nicht
gekauft, planen da aber schon seit
fast anderthalb Jahren Zum Beispiel
am Ackermannbogen: gewisse
Verpflichtungen hat man schon, aber
man hat das Grundstück noch nicht
kaufen müssen. Es gibt einen
Stadtratsbeschluss, der einem so ein
Grundstück zuteilt, wenn alles geklärt
ist, auch die Bedingungen für den
Kauf, dann gibt's den Beschluss über
den Verkauf.
Das ist eine Option. Die Wohnprojekte
am Ackermannbogen hätten gern eine
Anhandgabe gehabt, es gibt wohl
einen Unterschied zwischen den
Begriffen.
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WOHNPROJEKTE BRAUCHEN
ZEIT UND SPIELRAUM
Beispiel Theresienhöhe: wenn ich da
ein Vorhaben habe, und ich vergebe
alle Grundstücke im
Höchstgebotsverfahren, dann bleibt
nun mal kein Raum für ein
Wohnprojekt. Ein Wohnprojekt muss
sich erst bilden. Ich finde
selbstverständlich Leute, die machen
eine
Wohnungseigentümergemeinschaft,
die werden da auch einen Baublock
errichten, die werden auch den Preis
zahlen, den die Stadt haben will. Das
Problem ist immer der Zeitraum. Dann
muss mir die Stadt einen kleinen
Freiraum lassen, ein Zeitfenster.
Peter Schmidt, WOGENO, schreibt,
dass bei Neugründung einer
Genossenschaft 25 % echte
Eigenmittel da sein müssen. ich kann
nur jedem empfehlen, wer 25 % echte
Eigenmittel hat, der soll auch
Eigentum erwerben, sonst holt er sich
einen ganz erheblichen Nachteil ein.
Wer hier in München ein
genossenschaftliches Modell macht,
muss schon ein ziemlicher Idealist
sein. Wir sind mit 12, mit 13 % Eigengeld eingestiegen, und das war
schon schwierig genug. 20 %
Eigengeld gilt in Hamburg als Tod für
jede Genossenschaftsgruppe. Aber
offensichtlich gibt's hier auch Gruppen,
die es bei 25 % schaffen, aber so viel
Genossenschaften gibt es ja auch
nicht, die sich in München neu
gegründet haben, die letzten Jahre.
Eine. In Hamburg ist es eben jedes
Jahr etwa eine Genossenschaft, die
sich neu gründet.
Wenn ich Erhebungen mache, dann
komme ich ja immer dazu, autofreie
Haushalte sind Alte und Singles.
Bauen richtet sich ganz allein danach,
was ist finanzierbar und was nicht.
Und Familien mit Kindern, die haben
bisweilen sehr günstige Konditionen.
Entsprechend haben wir sehr viel
Familien mit Kindern. Und deswegen
muss ich auch gar nicht danach
gucken, wie ist die Nachfrage
autofreier Haushalte, sondern
tatsächlich, was sind Fördermodelle,
wo ich viele Menschen unterbringe.
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BERLIN
Berlin hat im Moment das Problem,
dass keiner ernsthaft bauen will, aber
alle sehen, dass in drei Jahren die
Nachfrage wieder massiv steigt. Es
gibt viele Investoren, die sich darum
bemühen, auf einer Fläche autofrei zu
bauen, einer relativ attraktiven Fläche,
Stadion der Weltjugend, und die
schon jetzt sich drum kümmern, aber
auch sagen, erst in drei Jahren. Da
sind ein paar ganz aktive Berliner, die
kümmern sich darum. Jetzt weiß ich
gar nicht, ob ich da überhaupt aktiv
werden will, in Berlin.
In München ist es genauso: es ist für
uns sehr weit weg. Und es gibt ja
Urbanes Wohnen e.V., die WOGENO;
Peter Pink und Wolfgang Krönner vom
Wohnforum München, die machen ja
auch Baubetreuung.
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Diskussion
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ANSICHTEN ZUR
PLANUNG THERESIENHÖHE
WoA:Wohnen ohne Auto war im Rahmen
der Bürgerbeteiligung von Anfang an,
seit 1996 über 4 Jahre im AK
Theresienhöhe vertreten, der jetzt
aufgelöst wurde.
Von der Stadt wurde von vornherein
gesagt, bringt uns Investoren für
autofreies Wohnen, gleichzeitig behauptet, es gibt keine; es entstand der
Eindruck, die Stadt würde gar nicht
mit kleineren Investoren sprechen
Wir haben mit Herrn Wagner von der
Lawaetz-Stiftung Kontakt
aufgenommen, um zu zeigen, dass
man durchaus Investoren finden kann.
Karsten Wagner:Wir haben eine Bewerbung zur
Theresienhöhe abgeschickt; allerdings
können wir kein Höchstgebot abgeben,
da wir Grundstücke nicht im Vorwege
kaufen (wir sind kein
Zwischenerwerber). Deshalb sind wir
formal aus dem Bewerbungsverfahren
rausgefallen. Letztlich ist das mit dem
Höchstgebotsverfahren auch eine
politische Entscheidung.
Die Theresienhöhe ist eine sehr
plausible Fläche: innerstädtisch,
ÖPNV-nah, man kann alles zu Fuß
machen. Wenn man der Stadt auch
noch sagt, sie bekommt das Geld,
das sie dafür will und dass engagierte
Leute hinkommen, die sich um ihr
Wohnumfeld kümmern, müssten eigentlich Verhandlungen möglich sein. Die
Frage ist, warum das nicht gemacht
wurde.
Eigentlich ist es für die Theresienhöhe
jetzt zu spät: man hätte vor 2 Jahren
eine Anzeige aufgeben müssen, wer
will auf dir Theresienhöhe mit uns
autofrei bauen; dann hätte man eine
Gruppe aufbauen können, etwa 50
Interessierte, die alle gesagt hätten,
wir wollen Eigentum erwerben und wir
wissen, wie teuer die Münchner
Grundstückspreise sind. Damit hätte
man ganz anders gegenüber der Stadt
argumentieren können.
Weitere MeinungenInteressant ist, dass die
Theresienhöhe über das
Kommunalreferat vermarktet wird,
während in Riem und am
Ackermannbogen das Planungsreferat
zuständig ist.
Bei der Theresienhöhe muss man wissen, dass damit der Messeumzug
finanziert werden soll; da gibt es wohl
eine große Angst bei der Stadt, dass
das Geld nicht reicht.
In Riem ist die Situation anders: die
Stadt ist froh, wenn alle Grundstücke
verkauft werden; trotzdem muss es möglich sein, auf der Theresienhöhe
eine soziale bzw. ökologische
Komponente hinein zu bringen.
Man hatte doch ein Höchstgebot
abgeben können, wenn man die Leute
gekannt hätte, die mitmachen, das ist
das entscheidende Problem.
Bei der Stadt und beim
Oberbürgermeister ist man der festen
Überzeugung, dass es keine
Interessenten für Wohnen ohne Auto
gibt; entsprechend war die
Abstimmung zum Bebauungsplan.
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SITUATION IN DER MESSESTADT RIEM
WoA:In Riem gibt es für alle Bauträger einen
gemeinsamen Pool von Stellplätzen auf
die man zurückgreifen kann. Dieses
System müsste eine wesentlich
flexiblere Handhabung zulassen.
Dieser Pool sichert auch die
Nachrüstbarkeit und es ist
unverständlich, warum dann beiden
einen eine Stellplatzreduzierung geht
und bei den andern nicht.
Autopark GmbH:Nach Beschluss des Riem-
Ausschusses wird in der Messestadt
nicht mehr der Stellplatzschlüssel 0,75,
sondern 1,0 gebaut; das wird in der
Stadtratsvollversammlung beschlossen
werden; für autofreies Wohnen gilt
nach wie vor 0,2.
Die Nachrüstung ist möglich auf der
ausgewiesenen Sonderparkfläche
SOP3 im Bebauungsplan; hier wird
demnächst gebaut.
Wenn der konkrete Fall der
Nachrüstung eintreten würde, hieße
das: es müssten über das
Kommunalreferat der
Herstellungsbeitrag bezahlt werden und
von A würden diese nachgerüsteten
Stellplätze dann zur Verfügung gestellt
werden; das wäre in relativ kurzer Zeit
möglich,
Nochrüstung würde eventuell
Aufstockung bedeuten, insbesondere
wenn es nur noch feste Stellplätze
geben wird (wohin der Trend geht).
Weitere Meinungen: Nachrüstung
könnte problematisch sein, wenn alle
Flächen bebaut und die Parkhäuser
voll sind: alle Genehmigungen sind so,
dass man in der Messestadt nur
viergeschossig bauen darf Das gilt nur
für Wohnungen; für Parken ist sechs-
bis achtgeschossig möglich.
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TIEFGARAGENKOSTEN
Bauträger: Tiefgaragenstellplätze
kosten um die 25.000 DM, bei
besonderen Lagen, z.B. Grundwasser,
auch mehr.
An der Tiefgarage verdient der
Bauträger nichts, im Gegenteil, es wird
noch draufgelegt: der
Realisierungspreis ist ein anderer, als
der Preis, der im Prospekt steht.
Stellplätze werden gebaut, damit die
Wohnungen verkauft werden können
(etwa auch in Berlin, wo es keine
Stellplatzpflicht gibt).
WoA:Wir denken, dass die Mehrkosten nicht
von den Bauträgern übernommen
werden (sind ja schließlich keine
gemeinnützigen Vereine), sondern über
den Wohnungspreis reingeholt werden.
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STELLPLATZNACHWEIS
Bauträger:Man kann die Stellplätze, wenn man
sie nicht bauen will, auch anders
nutzen, z: B. als Gemeinschaftsräume
wie in Hamburg oder man lässt statt
Garagen eine Fläche mit Rasen,
Pflaster o.ä. stehen.
Man kann doch aber eine Wohnung
ohne einen Stellplatz dazu kaufen,
wenn man das will.
WoA:Das Problem bei
Gemeinschaftsräumen ist aber, dass
diese zur GFZ zählen, Garagen aber
nicht.
Häufig werden Käufer gezwungen,
einen Stellplatz mitzuerwerben, den sie
dann auf dem Markt nicht absetzen
können. Und die Stellplätze Werden
unter Preis verkauft.
Es muss schon ein besseres Konzept
entwickelt werden, als nur zu sagen wer
unbedingt keinen Stellplatz haben will,
braucht auch keinen zu nehmen.
Weitere Meinungen: Man könnte einen Art grauen Markt für
Stellplätze entwickeln: Leute, die
nachweislich ohne Auto leben, könnten
ihren "Verzicht" verkaufen
Jemand ohne Auto bekommt in eine
zugeparkten Gegend bevorzugt ein
Wohnung.
Man könnte für Leute, die Stellplätze
nachweisen müssen, was nicht geht
eine Gruppe mit Negativ-Stellplätzen
finden, und ein Tauschgeschäfte
machen.
Das geht in die Richtung, dass jede
Stellplatz Fläche verbraucht und derjenige, der sie braucht, zahlen muss; auch
wenn er am Straßenrand steht Die
Stadt muss aufhören, die Leute zu
subventionieren, die einen Stellplatz
brauchen, z. B. bei diesen
Quartiersgaragen, die aus
Ablösegeldern finanziert werden,
wodurch wieder die bevorzugt werden,
die ein Auto haben Man muss ein
besseres Vertrauen zwischen
Autofahrern und Nicht-Autofahrern
schaffen; Autofahren als Krankheit zu
diffamieren bringt nichts.
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BISHERIGE PROBLEME BEI DER
REALISERUNG AUTOFREIER
WOHNGEBIETE
WoA:In Riem gab es einen
Stadtratsbeschluss, 200 autofreie
Wohneinheiten zu entwickeln; es wurde
von der Stadt nichts gemacht; wir
hätten uns vorgestellt, dass die Stadt in
ihrem Anschreiben an die Bauträger auf
diesen Beschluss hinweist und dass
man solche Projekte gern sehen würde,
aber nichts dergleichen ist passiert.
Wir sagen zur Stadt, ihr müsst
autofreies Wohnen politisch wollen und
unterstützen, dann läuft das. Die Stadt
sagt, ihr müsst uns erst die Bauträger
bringen. Die Bauträger sagen, ihr müsst
uns erst die Kunden bringen. Die
Kunden sagen, weiche Angebote gibt
es.
Bauträger:Der Riem-Beschluss ist nicht bekannt.
Der Kontakt Bauträgern und Wohnen
ohne Auto war wahrscheinlich noch
zu wenig intensiv.
Das Riemer-Projekt mit seiner
Selbst-Organisation hat sehr lange
gedauert; das könnte ein professioneller
Bauträger beschleunigen.
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VORAUSSETZUNGEN FÜR
WEITERE AUTOFREIE
WOHNGEBIETE
Bauträger:Die Stellplatzreduzierung gilt ja nur in
Riem für ein ganz bestimmtes Projekt.
Es müsste aber eine allgemeine
Regelung geben, z.B. wie in Hamburg.
Ein Investor muss schließlich wissen,
ob er gute Chancen hat, das zu
realisieren. Das Risiko muss dem
Investor etwas abgenommen werden,
z.B. durch eine Art Anhandgabe wie in
Hamburg.
Das Höchstgebotsverfahren müsste
ausgesetzt werden; zumindest müsste jemand akzeptiert werden, der autofrei
bauen will und sagt, dass er den Preis,
der im Höchstgebotsverfahren ermittelt
worden ist, auch zahlen wird. Wenn wir
genügend Interessierte haben und
wissen, welche Preise die zu zahlen
bereit sind, kann man ganz konkret mit
der Stadt verhandeln oder über
Alternativen nachdenken, z.B. Stellplatz
ablösen, als Grünfläche nutzen. (s.
auch Punkt Nachfrage für autofreie
Wohnungen)
WoA:
Stellplatzreduzierung muss in
irgendeiner Form in den
Flächennutzungsplan, Bebauungsplan
oder sonstwie festgeschrieben werden.
Karsten Wagner:Es wäre sicher hilfreich, wenn man in
einem laufenden
Bebauungsplanverfahren Regulierungen
für die Autofreiheit findet; allerdings
hängt dies davon ab, wie groß das
Gebiet ist und wie genau meine Pläne
sind.
Aber das Planrecht passt sich immer
den Erfordernissen an, d.h. die
Investoren kaufen ein Grundstück bzw.
erhalten eine Kaufoption und handeln
dann die Details des Planrechtes aus.
Deswegen würde ich das Planrecht
außen vor lassen.
Wenn ein Grundstück von einem
klassischen Investor gekauft wurde, ist
für ein Wohnprojekt die Chance zu 99%
vertan, hier etwas zu erreichen.
Weitere Meinungen:Die Stadt muss sich der Sache
annehmen, die Probleme können nur
politisch gelöst werden.
Es ist illusorisch, auf die Stadt zu
bauen. Die wartet auf Initiative von
außen.
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KONTROLLE DER AUTOFREIHEIT
Bauträger:Keinen Stellplatz zu brauchen ist eine
langfristige Festlegung; das muss
kontrollierbar sein, sonst wird es auch
missbraucht.
WoA:Die autofreien Leute in Riem müssen
jedes Jahr Bericht erstatten - ein
enormer Verwaltungsaufwand. Es kann
natürlich keiner garantieren, dass dort
nicht in 30 Jahren jeder Haushalt drei
Autos hat.
Weitere Meinungen:Eine Kontrolle ist sehr wichtig, damit
die Autofreiheit ein anderes Image
bekommt. Sonst kommt immer das
Argument, die schaffen sich eine Insel
der Autofreiheit und lassen ihr Auto
dann woanders stehen.
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NACHFRAGE FÜR AUTOFREIE
WOHNUNGEN
Bauträger:Wir sind nicht überzeugt, dass
tatsächlich ein Markt für Wohnungen
ohne Stellplatz vorhanden ist; unsere
Erfahrungen sind teilweise konträr.
Die Frage ist, wo die Kunden sind. Es
wäre für einen Bauträger das Optimum,
z. B. 50 Kunden zu haben, die einem
sagen, was sie haben wollen. Es reicht
nicht, wenn man sagt, so und so viele
Haushalte haben kein Auto " die wollen
ja nicht alle jetzt eine Wohnung ohne
Stellplatz kaufen.
Ein Unternehmer muss von seinem
Produkt überzeugt sein. Die Erfahrung
der WEG Autofrei leben in Riem, die
über 3 Jahre gebraucht haben und bei
denen am Schluss nur noch ein paar
von den ersten übrig geblieben sind,
überzeugt einen Unternehmer nicht,
dass er das Risiko bedenkenlos
eingehen kann. Ohne Beweis der
Nachfrage wird jeder Unternehmer mit
Erfahrung erst andere Projekte
realisieren, z.B. Holzhäuser,
Energiesparhäuser o.ä. " wenn er
überhaupt aus dem konventionellen
Markt heraus will.
Es gibt einige Bauträger, die große
Areale beplanen und bebauen; wenn
man genügend Kunden hat, wäre es
wahrscheinlich leicht, einen Teil für
autofreies Wohnen zu machen, es gibt
nicht selten Probleme mit dem
Stellplatzbau. So eine Symbiose "Mit
Auto" und "Ohne Auto" ist durchaus
Denkbar, wenn man die Leute hat.
WoA:Es gibt je nach Statistik 37 oder 42%
Haushalte ohne eigenes Auto, die noch
den heutigen Kostenstrukturen finanziell
dadurch bestraft werden, dass sie die
Infrastrukturkosten ihrer autobesitzenden
Nachbarn mit tragen. Hier ist ein
eindeutiges Marktpotential, aber kein
Markt..
Das Marktpotential zu erschließen, ist
die klassische Aufgabe von
Unternehmern.
Man schätzt den Markt völlig falsch ein,
wenn man denkt, Wohnen ohne Auto
ist nur ein Angebot für Menschen mit
einer bestimmten Ideologie.
Es gibt bei Wohnen ohne Auto den
ganz normalen Nachfragemarkt, also
Leute, die z.B. eine schicke Küche
wollen, aber kein Auto, und es gibt die
idealistische Schiene, also Umwelt-,
Gesundheits- und Verkehrsverbände.
Man muss sich klar sein, dass es
nicht nur diese kleine Gruppe von
Menschen gibt, die bereit sind, sich
bei einem Wohnprojekt zu engagieren,
sondern dass man auch ein Angebot
für den ganz normalen Käufermarkt
braucht.
Karsten Wagner:Es war sehr wichtig, die Nachfrage zu
belegen, um die Verwaltung zu
überzeugen, dass sie den nächsten
Schritt geht.
s wurde eine Anzeige geschaltet,
innerhalb des 1. Jahres kamen 1000
Anrufe. Das war am Anfang das
gewichtigste Argument.
Es muss klar gestellt werden, dass da
ein Markt entsteht, dass wirklich Leute
gewillt sind, autofrei zu leben, und nicht
dass dies eine ideologische Richtung
ist.
Die Nachfrage muss belegt sein
gegenüber den Unternehmern und
gegenüber der Politik.
Wenn man die Leute hat, findet sich
am Markt immer ein Partner, für einen
professionellen Bauträger muss aber
auch etwas zu verdienen sein.
Wenn einer sagt, Theresienhöhe kauft
doch sowieso keiner autofrei, wie will
ich ihm das Argument nehmen, wenn
ich nicht 50 Leute hab.
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ROLLE VON BAUGRUPPEN
WoA:Am Ackermannbogen gibt es ja eine
genossenschaftlich organisierte
Gruppe, die da sicher einiges
durchsetzen wird.
Für Eigentumswohnungskäufer ist das
aber kein Weg: es findet sich doch
jetzt keine Gruppe, die sagt, sie
möchte in drei Jahren gemeinschaftlich
ein Mehrfamilienhaus im Gebiet
Hauptbahnhof-Laim-Pasing kaufen.
Eigentümer gehen am liebsten zu
Bauträgern und kaufen.
Eigeninitiative ist sicher ein guter Weg,
das Risiko aber ist dann nicht auf
Seiten der Bauträger, sondern bei der
Gruppe.
In München geht erst gar nichts und
dann alles ganz schnell, da bleibt für
die Entwicklung einer Planung wenig
Zeit.
Karsten Wagner:Eine Eigentumsgruppe wäre nicht so
einfach, aber nach unseren
Erfahrungen durchaus auch möglich "
wir haben das ja auch gemacht. Je
konkreter das Projekt wurde, desto
fester blieb die Gruppe zusammen.
Es gibt Faktoren, die eine solche
Sache befördern, etwa eine
ausreichend lange Entwicklungszeit.
Man kann eine Gruppe aufbauen und
es noch offen lassen, ob die selbst
oder mit einem Unternehmer baut oder
eine Kombination macht.
Es ist wichtig, dass man sich mit
seinen Interessierten beschäftigt:
Wenn die sich in Bremen vorher mit
ihren Leuten befasst hätten, wäre es
nicht zu solchen Fehleinschätzungen
gekommen, an denen das Projekt
gescheitert ist.
Bauträger:Es ist wirklich wichtig, eine Gruppe zu
finden, die zusammen leben will und
auch ein Umfeld ohne Auto schaffen
will.
Solche Gruppen zu bilden ist eine
mühsame Arbeit, aber da geht kein
Weg vorbei. Das hat sich in Riem oder
am Ackermannbogen gezeigt.
Wenn man eine solche Gruppe als
Unternehmer begleitet, könnte man
den Prozess etwas beschleunigen.
Leute, denen solche Themen wichtig
sind, sind auch eher bereit, aktiv mit
zumachen.
Ackermannbogen war lange bekannt
Die städtebaulichen Entwürfe Hauptbahnhof-Laim-Pasing sind ebenfalls
bekannt, hier könnten sich doch jetzt
schon Standorte für Wohnen ohne
Auto finden lassen, auf die die
Gruppen bei der Stadt Interesse
anmelden könnten.
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Werbe-
kampagne
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ENTWICKLUNG
EINER WERBEKAMPAGNE
Karsten Wagner:Man braucht eine Fläche, die in 2 Jahren
etwa so weit ist wie die Theresienhöhe
heute. Um hierfür Leute zu finden , muss
man jetzt eine Werbekampagne starten.
In Hamburg war das ein Riesenaufwand:
ich habe 2400 Anrufe angenommen und
eine Viertelstunde muss man sich
schon Zeit nehmen für jeden Anrufer;
das war damals mein Privatvergnügen
und ob ich mir das nochmals antun
würde? Aber jetzt stehen die Häuser und
ich kann daran vorbeigehen und mich
freuen.
Wenn man das professionell machen
lässt, muss man sicher mit 10 bis 20 DM
pro Adresse rechnen; wenn ich also
1000 Adressen haben will, muss ich 15.-
20.000 DM ausgeben.
Man sollte sich nicht zu sehr an die
Stadt koppeln; erstens dauert dann das
zu lang (wie man in Köln sieht)
und zweitens will die Stadt dann auch
mitbestimmen und es gibt zum Schluss
eine Befragung, die die Initiative gar
nicht will und in der die "guten"
Standorte nicht drin sind.
Wir haben immer Geld von den Grünen
gekriegt und uns hauptsächlich über
Mitgliedsbeiträge finanziert. Das würde
ich auch empfehlen:
Man sammelt mit der Kampagne
Interessierte, die dem Verein beitreten
und refinanziert das durch die
Mitgliedsbeiträge; Wenn ich von 15.000.-
DM ausgehe, brauch ich schon 100 DM
Jahresbeitrag oder auf 2 Jahre gerechnet
50 DM, die Mitglieder haben ja auch
schließlich etwas davon.
Damit bekommt man auch die ernsthaft
Interessierten; die Leute, die mal einfach
so unterschreiben, sind zwar wichtig,
aber man braucht auch die, die dann
auch bauen.
Wenn man erst mal einen Stamm von
Leuten hat, kann man eine gezielte
Kampagne auf das Grundstück machen.
WoA:Gute Ideen und witzige Konzepte könnten wir sicher machen. Aber wenn
wir uns Vermarktungskonzepte
ausdenken, für etwas, das wir gar nicht
haben, ist das nur Selbstbeschäftigung.
Wenn wir "Werbung" für autofreies
Wohnen machen, fragen die Leute
sofort, welche Angebote gibt es, das ist
unsere Erfahrung. Wenn wir dann sagen,
da müsst Ihr Euch selbst drum kümmern,
ist das natürlich sehr unbefriedigend.
Bauträger: Man muss diese
Interessenten gewinnen, das ist am
wichtigsten. Dazu braucht man ein
Budget: es muss sich erst mal eine
Gruppe bilden, dann macht man
Veranstaltungen und irgendwann baut
man dann einfach so, wie sonst auch.
Das muss alles kostengünstig ablaufen.
Man muss aber auch noch mehr
Bauträger finden, die von dem Konzept
überzeugt sind, diese Basis muss
verbreitert werden.
Weitere Meinungen:Man gibt Geld für Anzeigen aus, was
nicht billig ist, dann muss man die
Interessenten betreuen, das absorbiert
wieder Kräfte und die Ressourcen sind
schnell aufgebraucht. Ob man auf
diesem Weg wirklich Projektpartner
findet?
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FINANZIERUNG EINER KAMPAGNE
WoA:Kunden zu kriegen kostet erst mal
Geld. Wir haben in diesem Jahr im
wesentlichen 12.000.- DM vom
Umweltreferat, ob wir nächstes Jahr was
,bekommen, erfahren wir im Mai oder
Juni. An Kräften haben wir
Ehrenamtliche und eine halbe ABM-
Stelle, die ja auch immer nur ein Jahr
gesichert ist. Alleine sind wir nicht in
der Lage, so eine Kampagne
durchzuziehen. Wir können sie uns
ausdenken, aber wenn es an die
Umsetzung geht (wo es dann teuer
wird), fehlen uns die Mittel. Und es hat
wenig Sinn, eine Kampagne zu starten,
die dann plötzlich stockt, weil kein Geld
mehr für den Druck da ist. Wir brauchen
Unterstützung.
Bauträger:Grundsätzlich braucht man als
Unternehmer erst mal das Gefühl, dass
ich eine solche Kampagne finanzieren
soll. D.h., ich muss im Vorfeld davon
Überzeugt werden, dass es letztendlich
der Sicherung meines Vertriebs dient.
Dazu muss ich von dem Konzept
überzeugt sein,
Wir würden eine solche Kampagne
gerne begleiten. Aber wir haben keine
finanziellen
Unterstützungsmöglichkeiten. Wir
könnten jedoch personellen Einsatz
anbieten, z.B. bei Verhandlungen mit
der Stadt.
Eine Möglichkeit wäre, sich mit einem
Bauträger zusammen zu tun und eine
Marktbedingungs-Untersuchung oder
eine Imagekampagne zu machen. Damit
könnte man zur Stadt gehen, um Gelder
(z.B. für den Klimaschutz) zu
bekommen.
Wir können prüfen, ob wir uns finanziell
beteiligen, allerdings ist unsere
Zielgruppe im Moment noch eine andere.
Wir bedienen eher den hochpreisigen
Markt. Aber es gibt ja noch mehr
Bauträger.
Weitere Vorschläge:Man sollte Green-City fragen, ob sie eine
solche Kampagne machen. Das ist
schließlich ein Trägerverein von Wohnen
ohne Auto.
Wenn so eine Kampagne mal
angelaufen ist, kann das auch ein
Selbstläufer werden, z.B. wie bei Call a
bike.
Call a bike hat mit Geldern aus der
idealistischen Schiene etwas auf die
Beine gestellt; der finanzielle Rahmen ist
da überschaubar, bei Wohnungen muss
man noch einige Nullen dranhängen. Man
muss darüber nachdenken bei autofreiem
Wohnen auch eine Kombination aus
investiertem Geld und Sponsorengeld
möglich sein könnte.
Call a bike hat im Vorlauf vier Jahre lang
einige Millionen investiert; die hat Wohnen
ohne Auto nicht; wenn es die Wohnungen
gäbe, dann würde es auch laufen.
Vielleicht bekommt man von der Stadt
Geld für Anzeigen.
Man könnte einen Anteil von den späteren
Käufern verlangen.
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Weitere Schritte
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ARBEITSKREIS
WoA:
Es scheint noch einiges an
Gesprächsbedarf zu bestehen. Besteht
Bereitschaft, sich zu treffen, und eine
gemeinsame Kampagne, ihre
Ausgestaltung und ihre Finanzierung zu
planen?
Bauträger:
Bisher saßen wir nur einmal zusammen.
Das wäre eine Daueraufgabe, dass man
sich z.B. 2 Jahre lang alle 2 oder 4
Wochen trifft und dann die Maßnahmen
diskutiert.
So etwas ist auch für uns interessant, die
Frage ist allerdings, inwieweit wir einen
Beitrag leisten können; das müssen wir
erst hausintern besprechen.
Auch weitere Teilnehmer sind an einer
Fortsetzung der Gespräche interessiert;
als nächster Termin wird der 21.8. 2000
vereinbart.
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WEITERE ENTWICKLUNGEN
Inzwischen hat sich der AK zweimal
getroffen und die Bedarfsanalyse und
Interessentensuche sind in Vorbereitung.
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RECHTLICHE REGELUNGEN
Im 18. Dez. wird Herr Dr. jur. Christian
Epp und Herr Laurenz Hermann, ehem.
Geschäftsführer beim Forum Vauban e.V.
im Arbeitskreis über die möglichen
öffentlich-rechtlichen und privatrechtlichen
Regelungen autofreien Wohnens und die
Erfahrungen aus Freiburg berichten.
Eine Veranstaltung für die
Fachöffentlichkeit zum Thema soll
vorbereitet werden.
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Die Zukunft des Wohnens - ökologisch, ökonomisch, autofrei
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