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Frage: Gibt es in München autofreie Wohnungen auch zu mieten?

Im Rahmen des von der Stadt geförderten konzeptionellen Mietwohnungsbaus versuchen die ersten Bauträger, dies zu ermöglichen. Einige Genossenschaften haben  autoreduzierte Projekte und bei der Wogeno in der Messestadt ein in unserem Sinn autofreies Haus.

Am Prinz-Eugen-Park entsteht ein erstes autoreduziertes ökologisches Mietshaus, es wird von der Firma NEST erstellt.

Frage: Muss ich aus einer autofreien Wohnung ausziehen, wenn ich oder meine Kinder später doch ein Auto kaufen?

Antwort: In den Regelungen zum autofreien Wohnen werden meist "Reserveflächen" für eventl. Stellplatzbedarf vorgesehen. Allerdings fallen bei der tatsächlichen Nutzung dieser Reserveflächen oft erhebliche Kosten an.  Es gibt auch Projekte, wo man die Wohnung wechseln kann oder muss.

Frage: Was mache ich, wenn ich ein Auto brauche?

Antwort: Ich nehme ein Car-sharing-Auto und zahle nur die tatsächlich gefahrenen Kilometer. Natürlich kann ich auch Taxis, Minitrans und Leihautos nutzen. Stattauto München hat unsere Initiative von Anfang an unterstützt. Stattauto München unterstützt auch Mobilitätsstationen in Wohnprojekten und Stadtquartieren.

Frage: Stimmt es, dass nach der Bayrischen Bauordnung 1 Stellplatz je Wohnung vorgeschrieben ist?

Antwort: Jein, auch wenn dies oft so behauptet wird. Die Bayerische Bauordnung (BayBO) Art. 51 Garagen und Stellplätze für Kraftfahrzeuge lässt  den Gemeinden einen Ermessensspielraum offen, der aber bisher fast nur für mehr Stellplätze genutzt wurde:

(1) Werden Anlagen errichtet, bei denen ein Zu- und Abfahrtsverkehr zu erwarten ist, so sind Stellplätze in ausreichender Zahl und Größe und in geeigneter Beschaffenheit herzustellen.

(2) Die Zahl der notwendigen Stellplätze ... legt das Staatsministerium des Innern durch Rechtsverordnung fest. Wird die Zahl der notwendigen Stellplätze durch eine örtliche Bauvorschrift oder eine städtebauliche Satzung festgelegt, ist diese Zahl maßgeblich.

Bayerische Bauordnung (BayBO) Art. 91 Örtliche Bauvorschriften:

Die Gemeinden können durch Satzung im eigenen Wirkungskreis örtliche Bauvorschriften erlassen .... über Zahl, Größe und Beschaffenheit der Stellplätze für Kraftfahrzeuge und der Abstellplätze für Fahrräder ...

Stellplatzsatzung der Landeshauptstadt München (Dezember 2007) und Verwaltungsvorschrift vom Juli 2016

Die LH München hat eine kommunale Stellplatzsatzung verabschiedet. Sie sieht 1 Stellplatz je Wohnung vor. Es gibt aber für Sozialen Wohnungsbau, Genossenschaften und autoreduzierte/autofreie Projekte Reduzierungen.
§2 (2): Ergibt sich bei der Ermittlung ... ein Missverhältnis zu dem Zu- uund Abfahtsverkehr, der aufgrund besonderer, objektiv belegbarer Umstände für die jeweils beantragte Nutzung zu erwarten ist, ist die Zahl der notwendigen Stellplätze dem zu erwartenden Zu- und Abfahrstverkehr entsprechend zu erhöhen oder zu verringern.
Für Wohnnutzungen im geförderten Wohnungsbau ist dabei in der Regel von einem reduzierten Stellplatzbedarf auszugehen.

Frage: Was passiert, wenn ich mich verpflichte, autofrei zu wohnen, aber mein Nachbar sich (heimlich) ein Auto kauft?

Antwort: In wirklich autofreien Siedlungen gibt es keine Stellplätze, so dass kein Auto heimlich angeschafft werden kann. Bei einem "offenem" Autokauf kommt es sicher zu Diskussionen in der Nachbarschaft, es gibt aber in jedem Fall vorab rechtliche Regelungen, wie mit dieser Situation umzugehen ist; im Modellprojekt Riem müssen die autofreien Haushalte der Stadt jährlich Bericht über die Anzahl der Fahrzeuge machen; wird eine bestimmte Zahl überschritten, gilt das Projekt nicht mehr als autofrei und es müssen Stellplätze "nachgekauft" werden (siehe auch WEG Autofrei Wohnen Messestadt Riem: Rechtliche Regelungen).

Frage: Ich wohne schon ohne eigenes Auto, wozu brauche ich dann noch "Wohnen ohne Auto"?

Antwort: Menschen ohne Auto leisten einen Beitrag zum Umweltschutz und zur Wohnumfeldverbesserung, werden aber durch den Kfz-Verkehr genauso beeinträchtigt wie die Verursacher.

Darüber hinaus subventionieren sie durch ihre Wohnkosten auch die Stellplätze der Autobesitzer mit: Nach einer Modellrechnung aus den 90er Jahren zahlte ein Durchschnittshaushalt (Wohnungsgröße 69qm) ohne Auto in einem Haus mit Tiefgarage 1537,20 DM pro Jahr für diese Tiefgarage, von der er keinen Nutzen hat. Dazu kamen noch die Bewirtschaftunskosten, so dass nach dieser Modellrechnung die Gesamtkosten für einen Tiefgaragenstellplatz bei 2082,76 DM/Jahr liegen. (aus: Herde, Christian: Wohnen und Auto - Parken in Münchner Siedlungen; Untersuchung im Auftrag des Referats für Stadtplanung und Bauordnung der LH München 11/94 - 1/95). Daran hat sich bis heute wenig geändert.

Warum gibt es nicht mehr autofreie Wohnprojekte in München?

Das müssen Sie den Stadtrat und die Verwaltung fragen. Dort findet sich immer noch weit verbreitet eine Haltung, dass schließlich jeder Haushalt ein Auto hätte, oder auch zwei und wenn nicht, würden sie sich bald eines anschaffen. Es wäre in den letzten 22 Jahren seit Gründung der Initiative "Wohnen ohne Auto" leicht möglich gewesen, auf stadteigenen Grundstücken tausende autofreie Wohnungen auszuschreiben.

2015 hatten mehr als 300.000 Haushalte in München kein eigenes Auto. Selbst wenn man die auf Firmen zugelassenen Pkw dazu zählt, haben mindestens 20 % der Haushalte kein Auto.

 

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