Die Messestadt Riem als Chance

WEG und WOGENO

Die Wohnungseigentümergemeinschaft "Autofrei Wohnen" (WEG) besteht aus 14 Haushalten, die das zu bebauende Grundstück gemeinsam gekauft haben. Der Einfachheit halber bezeichnen wir als WEG auch schon die Vorläufergruppe, der aber teilweise andere Personen angehörten.

Die WOGENO München eG ist eine Genossenschaft für soziales und ökologisches Wohnen. Sie wurde 1993 gegründet.

 

Parkraumkonzept Messestadt Riem

Ursprünglich wurde für die Messestadt Riem in einem innovativen Parkraumkonzept ein Stellplatzschlüssel von 0,75 bzw. 0,6 im sozialen Wohnungsbau festgelegt. Die Funktionsfähigkeit des reduzierten Stellplatzbaus sollte durch Wechsel- bzw. Mehrfachnutzung sichergestellt werden. Dieses "rollierende System" bedeutet: Ein Stellplatz ist nicht einem bestimmten Mieter zugeordnet, sondern wird je nach Bedarf belegt. Da nie alle Stellplätze gleichzeitig belegt sind, findet jeder Autobesitzer in der Tiefgarage einen Platz. Mit der Parkraum GmbH gibt es einen zentralen Parkplatzbetreiber, der die Tiefgarage erstellt hat und bewirtschaftet.

Leider wurde dieses Konzept, das vorbildlich gewesen wäre, nicht umgesetzt. Im Februar 2000 beschloss der Stadtrat, für den freifinanzierten Wohnungsbau und die im München Modell errichteten Wohnungen doch den generellen Stellplatzschlüssel von 1,0 zu verwirklichen und jeder Wohnung einen festen Stellplatz zuzuweisen. Dies ist umso bedauerlicher, als erst ein Teil der Wohnungen fertiggestellt war und es einen deutlichen Überhang an freien Tiefgaragen-Stellplätzen gab.


Durch die Verlagerung des Flughafens von Riem ins Erdinger Moos wurde im Osten Münchens, nur neun Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, ein zusammenhängendes Areal von 560 Hektar Fläche frei. Hier entsteht seit Ende der 90er Jahre neben dem neuen Messezentrum ein Stadtteil für 16.000 Bewohner und 13.000 Arbeitsplätze - die Messestadt Riem.

Damit sich eine intakte soziale Bevölkerungsstruktur entwickeln kann, soll das Wohnungsangebot möglichst vielfältig sein. Deshalb sollen zu 40 Prozent öffentlich geförderte Mietwohnungen, zu 30 Prozent anderweitig geförderte Wohnungen ("München Modell") und zu 30 Prozent frei finanzierte Wohnungen entstehen.

Die Stadt München hatte 1995 in einem Stadtratsbeschluss vorgesehen, dass in der Messestadt Riem im ersten Bauabschnitt insgesamt 200 Wohneinheiten für "Wohnen ohne eigenes Auto" entstehen sollten. Die Verwaltung wurde beauftragt, dies zu planen. Gleichzeitig stellten Münchner Umweltverbände die Idee autofreier Wohngebiete vor und suchten Interessenten für solche Projekte.

Leider war das städtebauliche Konzept zu diesem Zeitpunkt bereits nahezu abgeschlossen. Die Stadtverwaltung war der Meinung, dass bereits ausreichend auf ein Wohnumfeld mit möglichst wenig Autoverkehr geachtet worden war, so dass trotz des Stadtratsbeschlusses keine Umplanungen mehr erfolgen müssten.

Aufgrund der nur von Norden möglichen Zufahrt gibt es keinen Durchgangsverkehr im neuen Stadtteil. Das Parkraumkonzept (siehe Kasten) hält fremden Verkehr ganz aus dem Viertel heraus und führt Quell- und Zielverkehr schon am Rand des Wohngebiets in Tiefgaragen. Zudem wurden pro Wohnung vorerst nur 0,79 Stellplätze realisiert.

Joachim Falkenhagen (Autofrei Wohnen GbR mbH, Berlin) bewarb sich um ein Grundstück, um hier Eigentumswohnungen für Wohnen ohne eigenes Auto zu errichten. Um ihn bildete sich die erste Eigentümergruppe, die auch nach seinem Ausscheiden die Planungen vorantrieb. Außerdem hatte sich die junge Münchner Genossenschaft WOGENO um ein Grundstück beworben.

Für den Mietwohnungsbau/sozialen Wohnungsbau fand sich kein Träger, der es mit "Wohnen ohne eigenes Auto" versuchen wollte. Leider versäumte es die Stadt, weitere Bauträger auf den Stadtratsbeschluss zum autofreien Wohnen aufmerksam zu machen.

Auf Grund des Stadtratsbeschlusses wurden die beiden autofreien Projekte bei der Grundstückvergabe in der Weise bevorzugt, dass sie sehr schöne Grundstücke bekamen: möglichst weit von Straßen entfernt und ohne Tiefgarage darunter. Sie gelten als "Filetstücke" in Riem. Realisieren ließen sich die Projekte auch, weil zahlreiche Wohnungen nach dem "München Modell" für mittlere Einkommen gefördert wurden.