Autofreies Wohnen erfordert
andere Voraussetzungen als Wohnungsbau mit konventioneller Autoerschließung.
Dies betrifft das Wohnumfeld ebenso wie den eigenen Lebensstil. Nur
wenn beides stimmt, ist es möglich, Bauherren für ein derartiges
Projekt zu gewinnen.
Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein? Und sind sie in der Messestadt erfüllt?
1. Die Projekt-Wohnungen müssen gut mit dem Öffentlichen Nahverkehr zu erreichen sein.
Dies ist seit der Eröffnung der U-Bahn im Mai 1999 gegeben. Die Entfernung vom autofreien Wohnprojekt zur U-Bahnstation beträgt etwa 500 Meter. Mehrere Buslinien ergänzen das Angebot des Öffentlichen Nahverkehrs.
2. Alle Einrichtungen des täglichen Bedarfs (Geschäfte, Kindergarten, Schulen etc.) sollten fußläufig zu erreichen sein.
Dies trifft in der Anfangszeit noch nicht zu, da das Einkaufszentrum mit Ärztehaus, das etwa 400 Meter entfernt geplant ist, erst Ende 2003 oder 2004 fertig gestellt sein wird. Die 1999 eröffnete Grundschule und die Kindergärten liegen jedoch in unmittelbarer Nähe der Projekt-Wohnungen.
3. Ein ausreichendes Freizeit- und Naherholungsangebot muss gegeben sein.
Es ist ein Landschaftspark samt Badesee südlich des Wohngebiets geplant, er soll 2005 zur Bundesgartenschau fertig sein. Vorgesehen sind zudem Sportflächen, Jugendfreizeiteinrichtungen, Nachbarschaftszentren, VHS, Sportverein und Biergärten. Außerdem gehört zu jeder Wohnung der WEG von "Autofrei Wohnen" ein Privatgarten, alle WOGENO-Wohnungen verfügen je nach Lage über einen Balkon oder eine Terrasse, zudem gibt es Dachterrassen und einen Gemeinschaftsgarten.
4. Die Grundstücke sollten nicht direkt an einer Straße liegen.
Dies ist gegeben, da das Baugebiet (WA7) mit den Projekt-Grundstücken nur an Stichstraßen liegt und die Grundstücke von diesen Straßen zusätzlich durch einen Wohnblock abgeschottet sind.
5. Leicht zugängliche Fahrradabstellplätze müssen vorhanden sein.
Dies ließ sich realisieren. Sowohl die WEG wie auch die WOGENO verfügen über ebenerdige Fahrradschuppen.
6. Stadt oder Gemeinde sollte Car-Sharing-Plätze im Wohnviertel zur Verfügung stellen.
Car-Sharing lässt sich in München vorerst nur auf privaten Stellplätzen realisieren.
7. Die Pflicht zur Errichtung von Stellplätzen sollte ganz ausgesetzt oder zumindest stark reduziert werden.
"Autofrei Wohnen" musste für 14 Wohnungen drei Stellplätze erwerben, was einem Stellplatzschlüssel von 0,21 entspricht. Auf einem Platz steht ein Gemeinschaftsauto, zwei Plätze sind unbenutzt.
8. Der politische Wille muss vorhanden sein.
Der Münchner Stadtrat hat mit seinem Beschluss von 1995, als er dem Projekt "Wohnen ohne Auto" den Weg frei machte, diesen Willen demonstriert. Allerdings hätte man sich in der Folgezeit mitunter ein offensiveres Agieren der Verwaltung und auch des Stadtrats gewünscht, um diese Idee stärker zu fördern.