WoA:Wir sind nicht überzeugt, dass tatsächlich ein Markt für Wohnungen ohne Stellplatz vorhanden ist; unsere Erfahrungen sind teilweise konträr.
Die Frage ist, wo die Kunden sind. Es wäre für einen Bauträger das Optimum, z. B. 50 Kunden zu haben, die einem sagen, was sie haben wollen. Es reicht nicht, wenn man sagt, so und so viele Haushalte haben kein Auto " die wollen ja nicht alle jetzt eine Wohnung ohne Stellplatz kaufen.
Ein Unternehmer muss von seinem Produkt überzeugt sein. Die Erfahrung der WEG Autofrei leben in Riem, die über 3 Jahre gebraucht haben und bei denen am Schluss nur noch ein paar von den ersten übrig geblieben sind, überzeugt einen Unternehmer nicht, dass er das Risiko bedenkenlos eingehen kann. Ohne Beweis der Nachfrage wird jeder Unternehmer mit Erfahrung erst andere Projekte realisieren, z.B. Holzhäuser, Energiesparhäuser o.ä. " wenn er überhaupt aus dem konventionellen Markt heraus will.
Es gibt einige Bauträger, die große Areale beplanen und bebauen; wenn man genügend Kunden hat, wäre es wahrscheinlich leicht, einen Teil für autofreies Wohnen zu machen, es gibt
nicht selten Probleme mit dem Stellplatzbau. So eine Symbiose "Mit Auto" und "Ohne Auto" ist durchaus Denkbar, wenn man die Leute hat.
Karsten Wagner:Es gibt je nach Statistik 37 oder 42% Haushalte ohne eigenes Auto, die noch den heutigen Kostenstrukturen finanziell dadurch bestraft werden, dass sie die Infrastrukturkosten ihrer autobesitzenden Nachbarn mit tragen. Hier ist ein eindeutiges Marktpotential, aber kein Markt..
Das Marktpotential zu erschließen, ist die klassische Aufgabe von Unternehmern.
Man schätzt den Markt völlig falsch ein, wenn man denkt, Wohnen ohne Auto ist nur ein Angebot für Menschen mit einer bestimmten Ideologie.
Es gibt bei Wohnen ohne Auto den ganz normalen Nachfragemarkt, also Leute, die z.B. eine schicke Küche wollen, aber kein Auto, und es gibt die idealistische Schiene, also Umwelt-, Gesundheits- und Verkehrsverbände. Man muss sich klar sein, dass es nicht nur diese kleine Gruppe von Menschen gibt, die bereit sind, sich bei einem Wohnprojekt zu engagieren, sondern dass man auch ein Angebot für den ganz normalen Käufermarkt braucht.
Es war sehr wichtig, die Nachfrage zu belegen, um die Verwaltung zu überzeugen, dass sie den nächsten Schritt geht.
s wurde eine Anzeige geschaltet, innerhalb des 1. Jahres kamen 1000 Anrufe. Das war am Anfang das gewichtigste Argument.
Es muss klar gestellt werden, dass da ein Markt entsteht, dass wirklich Leute gewillt sind, autofrei zu leben, und nicht dass dies eine ideologische Richtung ist.
Die Nachfrage muss belegt sein gegenüber den Unternehmern und gegenüber der Politik.
Wenn man die Leute hat, findet sich am Markt immer ein Partner, für einen professionellen Bauträger muss aber auch etwas zu verdienen sein.
Wenn einer sagt, Theresienhöhe kauft doch sowieso keiner autofrei, wie will ich ihm das Argument nehmen, wenn ich nicht 50 Leute hab.