Eine Zwischenbilanz

Der Interessentengruppe traten im Lauf der Zeit 22 Mitglieder bei. Vor allem in der Phase bis zur Unterschrift unter den Kaufvertrag waren die Gruppendiskussionen häufig sehr aufreibend, da es sehr verschiedene Vorstellungen unter einen Hut zu bringen galt und auch zum Schluss ganz erhebliche finanzielle Leistungen erbracht werden mussten: Insgesamt sind in dieser Zeit acht Mitglieder wieder ausgeschieden.

Gerade Familien mit Kindern sind beim Projekt "Autofrei Wohnen" stark vertreten. Das widerlegt auch die Ansicht, dass Familien mit Kind(ern) auf ein eigenes Auto angewiesen sind. Besonders für Kinder erscheint eine autofreie Umgebung sinnvoll. Zudem ist die Förderung mit dem München Modell bei Familien mit Kindern besonders häufig, da bei ihnen die Einkommensgrenzen meist nicht überschritten werden.

Vor Einzug in die neuen Wohnungen besaßen noch drei Parteien Autos, nun nutzen vier Familien ein gemeinschaftliches Auto, einige Haushalte sind Mitglied bei STATTAUTO. Damit ist zwar die Zahl der Autos, die durch unser Projekt tatsächlich abgeschafft werden, eher gering. Erreicht haben wir aber unser Ziel, denjenigen, die kein Auto besitzen, eine Möglichkeit zu bieten, ohne die Nachteile des starken Autoverkehrs zu wohnen.

Im Spätsommer 1997 wurden auch die Planungen für die Außenanlagen vorangetrieben und ein Landschaftsarchitekt gewählt. Außerdem wurde zu einem Notar Kontakt aufgenommen, denn es sollten bald die Kaufverträge unterzeichnet werden, und zum anderen brauchte die Gruppe eine feste rechtliche Struktur, da der Geldfluss immer größer wurde. Im Juli wurde die WEG als Rechtsform gegründet.

Die Unterzeichnung des Kaufvertrags mit der Stadt zog sich bis zum Juli 1998 hin. Erstens war die Erschließung des Grundstücks nicht geklärt, und zweitens wurde das Parkraumkonzept für die gesamte Messestadt Riem erst dann endgültig festgelegt (s. Seite 8).

Im Herbst 1997 diskutierte die Gruppe, ob ein Bauunternehmer verpflichtet oder Einzelaufträge vergeben werden sollten. Um Kosten zu sparen und mehr Mitwirkungsmöglichkeiten beim Bau zu erhalten, fiel die Entscheidung für eine Einzelgewerkvergabe. Damit konnte allerdings keine so große Zeit- und Kostensicherheit erwartet werden.

In diesen Monaten begann auch die Suche nach einer finanzierenden Bank. Dies erwies sich als schwierig, da alles über eine einzige Bank abgewickelt werden sollte und neben den Einzelkonten für jeden Bauherren auch ein Gemeinschaftskonto für die Begleichung der Baurechnungen bestehen sollte. Dies bedeutete einen erheblichen Buchungsaufwand. Außerdem musste die Bonität jedes einzelnen Bauherren von der Bank geprüft und akzeptiert werden.

Hinderlich war auch die Entscheidung für die Einzelgewerkvergabe, da die Banken eine Kostensicherheit durch einen Bauunternehmer vorgezogen hätten. Am Ende der Suche erklärten sich nur zwei (Dresdner Bank und Raiffeisenbank) von 25 kontaktierten Geldinstituten bereit, das Projekt zu finanzieren.

Der Antrag auf Baugenehmigung wurde Ende Dezember 1997 eingereicht. In den folgenden Monaten kam es noch einmal zu Bewegungen innerhalb der Gruppe: Nach der Kostenberechnung der Architekten mussten zwei Mitglieder aussteigen, da sie am Rande ihres Finanzierungsrahmens waren und eine Überschreitung der Kosten befürchteten. Dafür kamen bis April 1998 wieder neue Mitglieder. Im Mai 1998 wurde der Vertrag für den Rohbau unterschrieben. Damit war ein großer Teil der Baukosten bereits festgesetzt.

Im Mai fiel die Entscheidung für eine der beiden Banken, so dass im Juni die einzelnen Bauherren die Kreditverträge abschließen konnten. Im Juli 1998 wurde dann endlich der Kaufvertrag mit der Stadt München unterschrieben, im August begann der Bagger mit dem Aushub.

Eine wirklich rechtswirksame Gruppenstruktur gibt es erst seit der Unterzeichnung des Vertrages der Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG-Vertrag), der zeitgleich mit dem Kaufvertrag unterschrieben wurde.

Seit dieser Zeit bewegt sich das ganze Projekt in sehr viel ruhigeren Bahnen. Die Mitbauleute wechselten nicht mehr. Die Kosten lagen ungefähr in Höhe der Berechnungen der Architekten. Im August und September 1999 wurden nach einem Jahr Bauzeit die Wohnungen bezogen.

Die Gemeinschaft hat sich sehr gut entwickelt. Aufgrund der geringen Probleme in der Bauphase ist es nicht zu größeren Spannungen innerhalb der Gruppe gekommen. Da man sich in dieser Zeit seht gut kennen gelernt hat, sind die nachbarschaftlichen Beziehungen auch viel enger als bei den anderen Bauträgern. "Wir haben hier beim Einzug", sagte ein Bewohner, "schon mehr Freunde, als wir sie nach zwölf Jahren Wohnen in der Innenstadt hatten." So kann auch die derzeit noch recht schlechte Infrastruktur durch vermehrte nachbarschaftliche Hilfe ausgeglichen werden.

Denn von einem Stadtteil der kurzen Wege kann man in manchen Belangen des täglichen Lebens leider noch nicht sprechen.