Die Mitglieder der Wohneigentümergemeinschaft (WEG) beschreiben aus ihrer Sicht die Entwicklung des Projekts "autofrei wohnen" - von den ersten Diskussionen bis zum Wohnen in der Messestadt.
Die Idee des autofreien Wohnens wurde seit 1994 in Münchner Fachkreisen
diskutiert. Die Stadtratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen und
verschiedene Vereine ergriffen die Initiative. Im Sommer 1995 entstand
ein Faltblatt, das die Idee autofreier Wohnquartiere vorstellte und
Interessenten eine Möglichkeit bot, sich mit Adresse und konkreten
Wohnwünschen zurückzumelden.
Im November 1995 fand die erste Informationsveranstaltung zur "Messestadt Riem" statt. Ein Vertreter der Stadt München erläuterte den Planungsstand, ein erster Interessentenkreis bildete sich. Ein Seminar in Kooperation mit dem bayerischen Seminar für Politik, mit Thomas Hartmann (WOGENO), zweimal mit jeweils 20 Teilnehmern veranstaltet, gab einen ersten Überblick über Eigentums- und Genossenschaftsmodelle.
Unter dem Dach der Volkshochschule München fanden im Winter/Frühjahr 1996/97 regelmäßige Treffen statt. Ein zweitägiges Seminar im Mai 1996 führte die ernsthaft am Genossenschaftsmodell Interessierten zu detaillierteren Planungen zusammen. Zu diesem Zeitpunkt schien ein Kaufvertrag im Sommer 1996 noch möglich.
Mitte 1996 trennten sich die Wege der zukünftigen Eigentümergemeinschaft und der "Genossen". Beide Gruppen arbeiteten nun selbständig weiter.
Joachim Falkenhagen hat sich als Bauträger bei der Stadt München um ein Grundstück in der Messestadt Riem beworben. Im Herbst 1996 bekam er von der Stadt die Zusage, dass er im Baugebiet WA7 auf einem Teil des Grundstücks die beantragten 20 Wohnungen errichten könne. Nun begann die Suche nach so genannten Mitbauleuten. Es gab drei verschiedene Wege, das Vorhaben publik zu machen:
Ende 1996 waren der WEG bereits fünf Mitglieder beigetreten. Anfang 1997 begannen die ersten Planungen mit Hilfe von Architekten. Weil mit diesen Planungen nicht alle zufrieden waren, wurden im April zwei andere Architekten mit einem Vorentwurf beauftragt.
In der ersten Hälfte des Jahres 1997 fanden immer wieder Verhandlungen mit der Stadt über die Lage des Grundstücks von "Autofrei Wohnen" im Baugelände WA 7 und über die Kaufvertragsbestimmungen statt.
In diesem Zeitraum stellte sich auch heraus, dass die anvisierte Anzahl von 20 Wohnungen mit einer durchschnittlichen Wohnungsgröße von 70 bis 80 Quadratmetern nicht zu realisieren war. Man benötigte größere Wohnungen, und so reduzierte sich bei der von der Stadt zugesagten Bruttogeschossfläche die Zahl der Wohnungen schließlich auf 14.
Joachim Falkenhagen reduzierte seinen Anteil an den Wohnungen und stieg später ganz aus. Doch war die Gruppe inzwischen selbst lebensfähig. Mitte 1997 zählte die WEG bereits elf Mitglieder. Bis zu diesem Zeitpunkt war es schwierig gewesen, neue Mitglieder zu werben, weil noch keine detaillierten Planungen vorlagen, die man Interessenten hätte zuschicken können. Die Kosten, die bis zu diesem Zeitpunkt für die WEG-Mitglieder anfielen, beliefen sich auf etwa 15 bis 20 Mark pro Quadratmeter künftiger Wohnfläche.
Von da an hatte die Gruppe immer 12 bis 13 Mitglieder. Eine gewisse Fluktuation ergab sich daraus, dass die Vorstellungen einzelner Mitbauleute nicht in den immer konkreter werdenden Planungen umzusetzen waren. Im Juni 1997 wurden die Architekten Stephan Philipp und Claus Hofmann mit der Planung bis zur Eingabeplanung beauftragt. Mit der konkreten Planung stiegen die Kosten, für die die Bauherrengemeinschaft aufkommen musste, stark an.